Lass uns kuscheln!

Hier erfahren Sie, warum Berührungen für uns so wichtig sind und erkrankte Haut sozial isolieren kann.

Zwei Personen in intensiver Umarmung

Die Bedeutung von Berührungen für unser Wohlbefinden

Ein zärtliches Streichen über die Hand, eine feste Umarmung oder ein aufmunterndes Klopfen auf die Schulter: Wir alle brauchen angenehme Berührungen. Wenn wir über längere Zeit sozial isoliert leben und uns einsam fühlen, leiden wir – körperlich und seelisch.

Die emotionale Bindung an andere Menschen und die damit verbundene körperliche Nähe und Geborgenheit geben uns dagegen Rückhalt und unterstützen uns in schwierigen Lebensphasen. Berührung und körperliche Nähe sind ein Grundbedürfnis ein Leben lang– von der Geburt bis zum Tod.

Berührungen, die Geborgenheit und soziale Unterstützung vermitteln, sind schon für die psychische und motorische Entwicklung eines Kindes lebenswichtig. Und vertrauter Körperkontakt bleibt für uns bis ins hohe Alter wichtig. Das zeigt auch unsere körperliche Veränderung im Laufe des Lebens: Unser Tastsinn bleibt bis ins hohe Lebensalter ohne größere Einbußen erhalten – im Gegensatz zu den anderen vier Sinnen. Ihre Funktion nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Zärtliche Berührungen – Balsam für unsere Seele und Gesundheit

Zärtliche Berührung Hände

Doch warum empfinden wir zärtliche und vertrauensvolle Berührungen als so angenehm? Kuscheln oder schmusen wir, werden im Gehirn Botenstoffe wie Dopamin oder Oxytocin ausgeschüttet, die Glücksgefühle verursachen. Der erhöhte Oxytocin-Spiegel lässt bei uns positive Emotionen wie zum Beispiel Vertrauen zu anderen Menschen entstehen – eine wichtige Voraussetzung, um emotionale Bindungen aufzubauen.

Zugleich verringert ein erhöhter Oxytocinspiegel Ängste, Stress und Spannungen, denn mit der Ausschüttung von Oxytocin sinkt auch die Spannung in den Skelettmuskeln. Das damit verbundene Gefühl kennen wir alle: Der Trost und die Kraft, die von einer innigen Umarmung ausgehen, besonders in Momenten von Verzweiflung, Kummer und Trauer. Solche Berührungen tun nicht nur unserer Seele gut, sondern auch unserer Gesundheit: Kuscheln, Schmusen und Streicheln stärken unser Immunsystem und wirken sich positiv auf unser vegetatives Nervensystem aus - und damit zum Beispiel auf unseren Blutdruck und unsere Atmung.

Angst vor Berührung – wenn erkrankte Haut sozial isoliert

Einsamer Mann starrt aus dem Fenster

Berührungen haben also einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Doch nicht alle Menschen können Berührung und Körperkontakt unbeschwert genießen und zulassen: Anderen nahe zu sein und sich zu zeigen, ist für Menschen mit Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oft mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden – ihre Lebensqualität ist dadurch oft stark eingeschränkt. Sie haben daher im Durchschnitt weniger Körperkontakt als Gesunde.

Hauterkrankungen bedeuten deshalb oft eine seelische Belastung: Mehr als jeder zehnte Betroffene (13 Prozent) mit Schuppenflechte leidet an einer Depression, und mehr als jeder fünfte Betroffene (23 Prozent) unter einer Angststörung. Lesen Sie mehr zum Zusammenhang von Psoriasis und Depressionen auch im Interview mit Prof. Ulrich Mrowietz.

Zudem kommt es bei Menschen mit Hauterkrankungen häufiger zu vermehrtem Alkoholkonsum. Insgesamt schränken schwere Hauterkrankungen die Lebensqualität ähnlich stark ein wie Herzkrankheiten oder Diabetes.

Zugleich wirken sich Hauterkrankungen auf das Empfinden von Berührungen aus. So entstehen bei Schuppenflechte verdickte und entzündete Hautstellen, die weitaus weniger berührungsempfindlich sind als gesunde Haut. Eine Berührung der betroffenen Haut kann daher auch als unangenehm empfunden werden.

Da Hauterkrankungen bei Betroffenen oft Unsicherheit hervorrufen und sich zudem negativ auf ihr Selbstbewusstsein auswirken, belastet die erkrankte Haut häufig die Beziehung zu Angehörigen, Freunden und Bekannten wie Kollegen. Ein Teufelskreislauf, denn seelischer Stress wiederum fördert bei vielen Hauterkrankungen Krankheitsschübe. Um diesem Kreislauf zu entrinnen, sollten Betroffene sich behandeln lassen und einen Hautarzt aufsuchen. Bei Schuppenflechte kann zum Beispiel eine moderne medizinische Therapie helfen, den Hautzustand sichtbar zu verbessern. Die Linderung der Symptome steigert zugleich die Lebensqualität und kann Betroffenen helfen, Berührungen wieder zu genießen. Was Betroffene mit Schuppenflechte außerdem unternehmen können, um seelische Probleme zu überwinden, erfahren Sie hier.

Natalie Z., 32 Jahre, aus Berlin:

"Ich habe mit 14 Jahren Schuppenflechte bekommen. Als Jugendliche habe ich besonders darunter gelitten: Meine Kopfhaut, Ellbogen und Knie waren betroffen, daher habe ich auch im Sommer bei größter Hitze immer lange Kleidung getragen. Wenn mir später mal ein Junge gefiel, habe ich mich nie getraut, ihn anzusprechen – so hässlich fand ich mich damals. Besser ging es mir erst, als ich mit 20 Jahren angefangen habe, meine Erkrankung zu akzeptieren, und dadurch selbstbewusster geworden bin. Seit vier Jahren bekomme ich eine innere Behandlung – seitdem sind fast alle Symptome verschwunden. Gesunde Haut zu haben, ist einfach ein herrliches Gefühl."

Die Macht von Berührungen

Hände halten einander

Die tiefen Gefühle, die wir bei Berührungen empfinden, spiegeln sich auch in unserer Sprache wider: Wir sind "berührt", wenn uns etwas sehr nahe geht. Erlebnisse, die Spuren in unserem Leben hinterlassen, "gehen uns unter die Haut." Und der Ausdruck "begreifen" zeigt, dass die Bedeutung des Körperkontakts weit über eine bloße Kommunikation mit unseren Mitmenschen hinausgeht. Wie stark Berührungen auf uns wirken und uns mit Energie erfüllen können, schlägt sich auch in anderen Sprachen nieder. So bedeutet das Wort "berühren" im Altgriechischen zugleich auch „anzünden“.

Angenehme Berührungen lösen nicht nur wohlige Gefühle in uns aus. Sie haben eine so mächtige Wirkung auf uns, dass sie auch unsere Entscheidungen und unser Verhalten beeinflussen. Das zeigen Untersuchungen: In einem Experiment wurden Probanden gebeten, eine bestimmte Summe entweder in eine sichere Anlage oder in riskante Aktien zu investieren. Wurden diese Probanden zuvor wie zufällig an der Schulter berührt, investierten sie deutlich häufiger in die riskante Anlageform. Weitere Studien zeigen: Wer berührt wird, ist anschließend hilfsbereiter und spendabler. Berühren Kellner zum Beispiel ihre Gäste an der Schulter oder Hand, erhalten Sie deutlich mehr Trinkgeld.

Berührungen entfalten ihre Wirkung sogar dann, wenn wir uns selbst berühren. Und dies tun wir oft: Rund 400-mal am Tag fassen wir uns ins Gesicht. Eine positive Folge: Eine solche Berührung kann gedankliche Blockaden lösen – und im "Arbeitsspeicher" des Gehirns Platz schaffen.

Berührungen als Teil unserer Kommunikation im Alltag

Paar hält sich an den Händen

Wie die Sprache gehören auch Berührungen zu unserer alltäglichen Kommunikation – ob in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf oder im Geschäft. Je nachdem, wie nahe wir unserem Gegenüber stehen und welche Absichten wir haben, berühren wir Andere auf verschiedene Art und Weise – und drücken so ganz unterschiedliche Dinge aus:

  • Das Händeschütteln ist in einigen westlichen Ländern ein gängiges Begrüßungsritual – allerdings in unterschiedlicher Intensität: Während in Deutschland nur ein kurzer Händedruck üblich ist, schütteln Italiener sich lang und intensiv die Hände.
  • Wenn ein Paar sich an den Händen hält, ist das meistens ein anerkannter Beweis von Zuneigung und Liebe. Halten Eltern ihre Kinder an der Hand, so wollen sie ihnen das Gefühl von Sicherheit und Schutz vermitteln.
  • Berühren wir jemanden an der Schulter, bedeutet diese Geste oft: „Ich halte zu dir“ und „Du kannst mir vertrauen“. Ein sanftes Schulterklopfen kann Lob sowie Anerkennung ausdrücken, aber auch Sicherheit vermitteln und Mut machen.
  • Eine Umarmung ist in vielen Kulturen eine besonders innige Form der Berührung – sie drückt Zuneigung aus und kann Trost spenden.
  • In "Distanzkulturen" wie der deutschen Kultur ist es nicht üblich, unbekannte Menschen, abgesehen von einem Händedruck, zu berühren. Daher kann jegliche Berührung einen Eingriff in die Intimsphäre bedeuten und vom Gegenüber als unangenehm empfunden werden.
  • Berührungen werden auch genutzt, um Dominanz und Machtanspruch zu vermitteln. Die Forschung zeigt, dass Menschen mit einem höheren Status eine größere Freiheit im Verhalten erlaubt ist. Es wird zum Beispiel oft toleriert, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter berühren – umgekehrt wird Körperkontakt, der von Mitarbeitern ausgeht, kaum akzeptiert. Die US-Forscherin Nancy Henley fand zudem heraus: Menschen, die andere häufig berühren, wird allgemein ein höherer sozialer Status zugeschrieben.
  • Schließlich gibt es bei Berührungen Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Frauen lassen sich eher berühren als Männer. Zugleich werden sie durch Berührungen stärker beeinflusst – unabhängig davon, ob die berührende Person männlich oder weiblich ist.

Berührung – auch eine Frage der Kultur

Freunde umarmen sich

Wie offen wir gegenüber Berührungen sind, hängt jedoch auch mit unserer Herkunft und Kultur zusammen. In bestimmten Kulturen ist es üblich, in einem Gespräch auch mit Fremden auf Tuchfühlung zu gehen. Wissenschaftler fanden heraus: Menschen in Puerto berühren sich während eines einstündigen Treffens 180 Mal. In England fand dagegen überhaupt kein Körperkontakt statt.

Eine weitere Studie bei italienischen, US-amerikanischen und deutschen Paaren zeigt, dass sich italienische Paare deutlich öfter berührten als die Paare aus den beiden anderen Ländern. Eine besondere Kultur des Körperkontakts pflegen die Maoris, die Ureinwohner Neuseelands: Sie umarmen sich und reiben bei geschlossenen Augen die Nasenspitzen aneinander.

Diese Unterschiede prägen ganz besonders persönliche Begegnungen von Menschen verschiedener Kulturen: Menschen in berührungsfreundlichen Kulturen empfinden Angehörige berührungsarmer Kulturen wie Deutsche und Briten eher als kühl und distanziert. Letztere wiederum stufen berührungsfreudige Kulturen wie Südländer oft als temperamentvoll und distanzlos ein.

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