Schuppenflechte: Angehörige leiden mit

Wie können Angehörige helfen, wenn Betroffene auch seelisch unter Schuppenflechte leiden? Hier finden Sie Empfehlungen von Experten!

Älteres Paar lächelt sich an

Schuppenflechte wirkt sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen aus. Auch das Umfeld – Freunde und selbst nächste Angehörige – leidet oft mit, wenn es Betroffenen schlecht geht. Eine besondere Herausforderung: Oft ziehen sich Betroffene zurück und verschweigen ihre seelische Belastung durch die Erkrankung. Zum Teil versuchen Betroffene sogar, dass Außmaß ihrer Erkrankung zu verbergen, verstecken ihre befallenen Hautstellen vor Angehörigen oder meiden Körperkontakt.

Dr. Ralph von Kiedrowski:

"Als Hautarzt erlebe ich immer wieder, dass Patienten ihre erkrankten Hautstellen auch im engsten Familienkreis verbergen. Manche Eltern verstecken sie vor ihren Kindern – oder vermeiden sogar den Körperkontakt zu ihnen, wenn sie diese Stellen nicht verbergen können. Auch in der Partnerschaft kommt das immer wieder vor."

Rückzug, Einsamkeit und Berührungsmangel – wie kann ich helfen? Tipps für Angehörige

Mann trösted seine Frau

Was können Sie als Angehörige unternehmen, wenn sich Betroffene zurückziehen, über ihre Gefühle schweigen und Körperkontakt meiden? Psychodermatologe Prof. Uwe Gieler untersucht die Auswirkungen von Hautkrankheiten auf die psychische Verfassung von Betroffenen. Er behandelt jedes Jahr rund 600 Erkrankte mit Schuppenflechte, die auch psychisch unter der Erkrankung leiden. Seine Empfehlung:

Frau spendet einer Frau Trost

"Ein offenes Gespräch ist zunächst das Allerwichtigste. Angehörige sollten betroffene Familienmitglieder ansprechen und ihre Hilfe anbieten, wenn sie merken, dass sie leiden oder sich zurückziehen. Sie sollten jedoch nicht enttäuscht sein, wenn die Betroffenen ihre Hilfe nicht gleich annehmen."

Weitere Tipps für Angehörige

  • Informieren Sie sich über die Schuppenflechte
    Um die Betroffenen zu verstehen, ist es wichtig, sich grundlegendes Wissen über die Erkrankung anzueignen. Hier gibt es viele Anlaufstellen: Sie können Ihre Lieben zum Hautarzt begleiten, sich im Internet informieren, den Apotheker zum Beispiel zu Therapieoptionen befragen oder eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Gerade Selbsthilfegruppen binden die Angehörigen in ihre Beratung mit ein. Sie stellen zudem Informationsmaterial zur Verfügung und haben zum Teil sogar spezielle Angebote für Angehörige. Weitere Informationen zu Selbsthilfegruppen finden Sie hier.
  • Gehen Sie auf Betroffene ein, die sich zurückziehen
    Ziehen sich Psoriasis-Erkrankte zurück und vermeiden Berührungen, können Angehörige die Situation "aufbrechen", indem sie aktiv auf sie zugehen. Denn hinter ihrem Rückzug und dem Vermeiden von Körperkontakt verbirgt sich oft eine große Unsicherheit. In solchen Fällen möchten sie ihre entzündeten Hautregionen sogar engen Angehörigen nicht "zumuten". Die Empfehlung von Experten: Gehen Sie auf erkrankte Angehörige ein und zeigen Sie, dass Ihnen die Hauterkrankung nichts ausmacht. Oft finden diese den Körperkontakt auch an betroffenen Hautregionen als sehr angenehm: Sie mögen es meistens, wenn ihr Lebenspartner sie massiert, streichelt oder auch nur eincremt.

Prof. Uwe Gieler:

"Rückhalt in der Familie ist für Menschen mit Schuppenflechte besonders wichtig. Werden sie von ihren Angehörigen unterstützt und mit ihrer Hauterkrankung akzeptiert, haben Betroffene in der Regel einen milderen Krankheitsverlauf und längere symptomfreie Phasen als Erkrankte, die sich ihrer Familie nicht anvertrauen können oder auf Unverständnis treffen."

  • Ermutigen Sie Betroffene mit seelischen Problemen, professionelle Hilfe anzunehmen
    Bei offensichtlichen seelischen Problemen ist es hilfreich, dies behutsam anzusprechen – und die Angehörigen zu ermutigen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Oft hilft es ihnen schon, wenn sie sehen, dass viele andere betroffene Menschen vor den gleichen Herausforderungen stehen – denn Schuppenflechte ist eine Volkskrankheit. Bei gravierenden Problemen sollten Angehörige ihre betroffenen Lieben ermutigen, einen Psychologen aufzusuchen. Denn Betroffene können selbst oft nicht erkennen, wenn sie seelisch erkrankt sind.
  • Tauschen Sie sich mit vertrauten Menschen aus
    Geht es einem nahestehenden Menschen schlecht, können Hilfs- und Mutlosigkeit dominieren. Gerade weil es sich um eine chronische Erkrankung handelt, kann die Schuppenflechte auch für die Angehörigen der Betroffenen zu einer seelischen Belastung werden. Tauschen Sie sich daher mit vertrauten Menschen aus, wenn Sie merken, dass Ihnen die Situation über den Kopf wächst. Ein Gespräch mit einem guten Freund oder einem Verwandten kann neue Perspektiven aufzeigen. Oft hilft es auch schon zu wissen, bei einem nahestehenden Menschen jederzeit Rückhalt finden zu können. Schließlich beraten Selbsthilfegruppen Angehörige – und bieten oft auch den Austausch mit anderen Angehörigen an.
  • Unterstützen Sie Psoriasis-Erkrankte bei Therapien
    Der großen Mehrheit der Erkrankten kann eine moderne medizinische Therapie helfen, die Symptome der Schuppenflechte sichtbar zu lindern und zu kontrollieren. Dies führt in der Regel zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität – und mit den Symptomen verschwinden meistens auch soziale und seelische Probleme. Ermutigen Sie daher Ihre betroffenen Lieben, eine wirksame Behandlung konsequent durchzuhalten. Optimal ist es, wenn Sie ihn / sie zum behandelnden Hautarzt begleiten und sich über die Therapie und den Therapieplan informieren.
  • Ordnen Sie negative Gefühle ein
    Es kann vorkommen, dass Angehörigen die erkrankten Hautstellen ihrer betroffenen Familienmitglieder unangenehm sind – oder sie sogar Ekel empfinden. Oft verspüren sie dann ein schlechtes Gewissen, mögen sich diese Gefühle jedoch nicht eingestehen oder gar darüber sprechen. Im Fall solcher Empfindungen sollten Sie sich bewusst machen, dass Ekel eine Empfindung ist, die angeboren ist und sich nicht einfach überwinden lässt.

Prof. Uwe Gieler:

"Bei negativen Gefühlen wie Ekel sollten Angehörige unbedingt ein offenes Gespräch führen. Wichtig ist, dem Betroffenen zu vermitteln: Ich akzeptiere dich als Mensch, so wie du bist – auch wenn es mir nicht gut tut, deine erkrankten Hautstellen anzufassen."

Wenn ihr Kind von Schuppenflechte betroffen ist, finden Sie in diesem Video einige hilfreiche Tipps und Informationen.

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