Neuer Behandlungspfad für die Plaque-Psoriasis plädiert für ehrgeizigere Behandlungsziele

SELTERS/BERLIN – Das bundesweite Fachärzte-Netzwerk onkoderm hat einen neuen Behandlungspfad vorgelegt. Die Empfehlung zur Therapie der mittelschweren und schweren Psoriasis vulgaris aktualisiert den 2011 erstmals veröffentlichten und 2016 aktualisierten Behandlungs-Algorithmus.

Die neunköpfige Autorengruppe unter Leitung von Dr. Ralph von Kiedrowski will nach eigenen Worten „in der Zusammenschau von medizinischer Evidenz, patientenindividuellen Profilen und Bedürfnissen sowie praxisregulatorischen Bedingungen“ den niedergelassenen Hautärzten eine „Entscheidungshilfe für die Auswahl der mittlerweile zur Verfügung stehenden Medikamente“ geben und so zugleich „einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation von Psoriasis in Deutschland“ leisten.

Damit führen die Autoren den 2016 eingeschlagenen Weg einer differenzierteren Schweregradeinteilung und -beurteilung für die Therapiefestlegung fort.

Neu ist beispielsweise der Vorschlag zur Bestimmung der Therapieziele: Das Autorenteam empfiehlt den dermatologisch tätigen Fachkolleginnen und -kollegen, sich in Anbetracht der gestiegenen Effizienz moderner Medikamente nicht länger mit einer relativen – prozentual – zu bestimmenden Verbesserung des Hautbildes (gemessen anhand des sogenannten PASI-Wertes) zufriedenzugeben. Mit den heutigen Möglichkeiten der Behandlung solle vielmehr ein absoluter (!) PASI <3 bei einem Lebensqualitäts-Index (dem sogenannten DLQI)-Wert von <3 („rule of three“) angestrebt werden, so die Position der Autoren. Darüber hinaus thematisiert der Behandlungspfad Fragen der Diagnostik – Schweregrad, Begleiterkrankungen und Verlaufsbeobachtung – Indikationsstellung, äußerliche und innerlich wirkende (systemische) Therapieoptionen, Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen, Psoriasis-Arthritis sowie besondere Herausforderungen des Therapiemanagements etwa im Falle des akuten Schubes oder bei Therapieunterbrechung oder  -umstellung. Aber auch Fragen des Praxismanagements und der Kodierung ärztlicher Leistungen sowie die honorarpolitische Entwicklung – insbesondere der Ersatzkassen-Vertrag zur besonderen Versorgung – werden angesprochen.

Die Darstellung der systemischen Behandlungsmöglichkeiten ist verbunden mit einem Querverweis auf die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung im sogenannten AMNOG-Verfahren. So wird u.a. der Prozess der Preisfindung gemäß Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) kurz und knapp erläutert.

Im Sinne einer Arbeitshilfe für den Arzt bietet der Behandlungspfad zahlreiche Übersichten:

  • eine Grafik zu Begleiterkrankungen der Psoriasis, eine Checkliste für das „Screening und Monitoring zur systemischen Therapie“
  • einen Algorithmus zum Patientenmanagement bei Psoriasis-Arthritis
  • tabellarische Übersichten zu den Medikamentenklassen und zu den Risiken der systemischen Therapie sowie zum „Patientenmanagement der Komorbidität“, zu den „Mindestanforderungen an Biosimilars“, zu den Differentialdiagnosen zur Psoriasis im Kindesalter sowie der Therapieoptionen im Kindes- und Jugendalter.

Onkoderm wurde Ende 2009 als eingetragener Verein von Dermato-Onkologen gegründet, zunächst mit dem Anspruch, neueste Erkenntnisse zum Thema Hautkrebs zu vermitteln und in die niedergelassene Praxis zu tragen. Erklärtes Ziel von onkoderm war es von Anfang an, die Dermatologie in der ambulanten Versorgung als integralen Bestandteil der Medizin zu stärken und das Image des Faches durch hochwertige Qualität im Praxisalltag zu optimieren. Das Netzwerk hat sich seit der Gründung auf dieser Linie weiterentwickelt. Der anfängliche Fokus hat sich zwischenzeitlich verlagert hin zur Systemtherapie dermatologischer Erkrankungen und zur Entwicklung praxisnaher Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgungssituation in Deutschland.

Die "Empfehlungen für die ambulante Versorgung von Psoriasis vulgaris: Aktualisierter praxisnaher Behandlungspfad"  ist erschienen als Beilage zu: Der Deutsche Dermatologe 9(2019)

Zu beziehen über:
onkoderm e.V.
August-Bebel-Straße 36
15517 Fürstenwalde/Spree