US-Promi Kim Kardashian: Nach Schuppenflechte-Outing berichtet sie nun auch über Gelenkschmerzen – Gibt es einen Zusammenhang?

EUSKIRCHEN (Blu) – Beauty Queen Kim Kardashian-West macht erneut Schlagzeilen: Unter Tränen berichtet sie von schmerzenden Gelenken und der Verdachtsdiagnose Lupus oder Psoriasis-Arthritis. Letzteres scheint sich nun bestätigt zu haben. Schon seit 13 Jahren leidet die Hauptdarstellerin der Reality-Soap „Keeping up with the Kardashians“ an Schuppenflechte – einer chronisch entzündlichen, nicht ansteckenden Hautkrankheit. Ist es Zufall, dass sie nun an einer weiteren chronischen Krankheit leidet, oder hängen die beiden Krankheitsbilder zusammen? Und wie sollte man mit dieser Diagnose umgehen? Welche Chancen bieten moderne Therapien? „Bitte berühren“ hat nachgefragt…

Fakt ist: Bis zu 30 % aller Psoriatiker entwickeln im Laufe ihres Lebens Entzündungen an den Gelenken1. Die Psoriasis-Arthritisist damit eine der häufigsten Begleiterkrankungen bei Psoriasis. Besonders heikel: Psoriasis-Arthritis kann sich mit unterschiedlichsten Symptomen bemerkbar machen und wird daher oft erst spät erkannt2. Irreversible Gelenkschäden sind aber schon früh im Krankheitsverlauf möglich3.Der Früherkennung kommt daher eine große Bedeutung zu - nicht nur mit Blick auf das Voranschreiten der Erkrankung, sondern vor allem auch auf die deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität betroffener Patienten. Auf einen frühzeitigen Behandlungsstart kommt es also an. „Wir wissen heute, dass moderne Therapien nicht nur den aktuellen Zustand des Patienten, sondern auch die Prognose verbessern können. Es geht also darum, in einem möglichst frühen Stadium die Erkrankung zu erkennen und bei Psoriasis-Arthritis vor allem die Progression der Gelenkschäden aufzuhalten“, so Dr. Frank Behrens, Facharzt für Rheumatologie und Leiter Klinische Forschung der Rheumatologie am Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt4.

Schuppenflechte im Rampenlicht

Der Fall Kim Kardashian zeigt aber, dass oft erst spürbare Anzeichen – also Schmerzen oder merklich geschwollene Gelenke – zu einer Diagnose führen. Kardashian ging 2016 mit ihrer Psoriasis an die Öffentlichkeit. Auf Instagram zeigt sie seitdem gelegentlich betroffene Stellen an ihrem Körper und im Gesicht. Sie geht offen mit der Schuppenflechte um und macht auch aus ihrer Behandlung kein Geheimnis. Nach eigenen Aussagen therapiert sie ihre Schuppenflechte mit Ernährungsanpassungen, Lichttherapie und Kräuterpaste, die sie auf betroffene Hautstellen aufträgt. Um den Juckreiz zu lindern, trage sie vor dem Schlafengehen zudem eine kortisonhaltige Salbe auf die schuppigen Stellen auf und bekomme zusätzlich alle paar Jahre Kortison gespritzt.

Systemerkrankung Psoriasis

Über den Schweregrad ihrer Erkrankung macht Kardashian selbst keine Angaben, es ist jedoch offensichtlich, dass sie unter einer mittelschweren bis schweren Form der Psoriasis leidet. In dem Fall würden die von ihr geschilderten Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen, und eine systemische, antientzündliche Therapie wäre dringend erforderlich. Spätestens das Auftreten einer Begleiterkrankung sollte Anlass geben, ein topisches Behandlungskonzept, das sich auf die äußerliche Behandlung von Hautsymptomen beschränkt, zu überdenken. Denn Psoriasis ist nicht nur eine äußerlich auftretende chronische Hautkrankheit, sondern eine sogenannte Systemerkrankung. Das heißt, es können auch andere Organe betroffen und Begleiterkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Chronische Bronchitis oder Herzkreislauferkrankungen die Folge sein – und eben auch Psoriasis-Arthritis5.

Leitliniengerechte Behandlung ist entscheidend für den Behandlungserfolg

Behandlungsempfehlungen für Psoriasis und damit verbundene Begleiterkrankungen sind in Leitlinien zu finden. In Deutschland zählen hierzu die S3-Leitlinie der Dermatologen6 und die interdisziplinären Behandlungsempfehlungen7. Hier sind die zur Verfügung stehenden Arzneimittel aufgeführt und es wird erläutert, in welchem Stadium welche Therapieoptionen indiziert sind. In jedem Fall sollte die Therapie mit einem Dermatologen besprochen werden. Denn so wertvoll der offene Umgang von Kim Kardashian mit ihrer Erkrankung für andere Betroffene und das Bild von Psoriasis in der Öffentlichkeit sein kann, so sehr besteht auch das Risiko, dass andere sich ihr Therapieverhalten zum Vorbild nehmen und das Ausmaß der eigenen Erkrankung unterschätzen.

NACHGEFRAGT

Bei Dr. med. Dagmar Wilsmann-Theis, Dermatologin, Venerologin und Allergologin (Bonn)

Frau Dr. Wilsmann-Theis, was sagen Sie zu den Mitteln, die Kim Kardashian verwendet, um ihre Schuppenflechte zu bekämpfen?

Dr. Wilsmann-Theis: Wichtig zu wissen ist, dass es abhängig vom Schweregrad der Erkrankung offizielle medizinische Behandlungsempfehlungen gibt, sogenannte Leitlinien. Für eine mittelschwere bis schwere Form von Psoriasis sehen diese eine Behandlung mit innerlich wirkenden Medikamenten vor, entweder konventionelle Systemtherapien, small molecules oder Biologika. Eine rein topische, also äußerliche Behandlung mit Cremes und Salben reicht in solchen Fällen meist alleine nicht aus.

Die erwähnten Kortikoide, also künstlich hergestellte Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol, wirken hauptsächlich entzündungshemmend und verringern den Juckreiz. Sie wirken oft sehr gut und zählen zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten bei Schuppenflechte. In Kombination mit Vitamin-D-Analoga ist auch eine Langzeittherapie möglich, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und im reduzierten aber genau festgelegten Applikationsintervall. Hier spricht man klar von der topischen Therapie, also der Salben- oder Cremetherapie.

Von einer Spritzen- oder Tablettentherapie mit Kortison bei der Schuppenflechte halte ich gar nichts, denn dies verringert zwar für den Moment die Beschwerden, ist aber definitiv keine dauerhafte Lösung. Im Gegenteil, nach dem Absetzen können sich die Beschwerden massiv verschlechtern. Leider kenne ich Frau Kardashian nicht, um sie und das Behandlungskonzept einschätzen zu können, vielleicht hat sie sich bei der Spritzentherapie auch einfach mit der Nennung des Wirkstoffes vertan und es ist ein moderner Wirkstoff, der gegen die Schuppenflechte eingesetzt wird.

Was die Kräuterpaste angeht, muss man natürlich wissen, welche Kräuter drin sind. Mahonia aquifolium zum Beispiel konnte bei der Psoriasis eine entzündungshemmende Wirkung zeigen.

Und was sagen Sie dazu, wie Kim Kardashian mit ihrer Schuppenflechte umgeht?

Dr. Wilsmann-Theis: Wie gesagt, ich kenne mich in der Promiwelt gar nicht aus und weiß auch nicht, was Kim Kardashian so macht. Dennoch finde ich es bewundernswert, dass jemand, der von den Vorzügen seiner äußeren Erscheinung lebt, so offen mit dem Thema der eigenen Schuppenflechte umgeht. Aus meiner Erfahrung mögen Patienten gar nicht gerne darüber reden. Kim Kardashian möchte aber scheinbar klar machen, dass man trotz Schuppenflechte attraktiv sein kann und sie sich auch über innere Stärken definiert. Mit ihrem Verhalten macht sie anderen Betroffenen Mut.

Quellenverzeichnis

1 Ritchlin CT et al. N Engl J Med 2017; 376: 957–970.

2 Köhm M et al. Z Rheumatol 2017; 76 (6): 495–503.

3 Kane D et al. Rheumatology 2003; 42 (12): 1460–1468.

4 Psoriasis-Arthritis: Multisystemerkrankung häufig unter- und fehltherapiert. arthritis + rheuma 2/2018

5 Schaarschmidt ML et al.: PLos One 2015; 10: e0144335

6 S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris Update. Nast A et al. J Dtsch Dermatol Ges. 2018 May;16(5):645-670

7 Psoriasis mit Gelenkbeteiligung: Ein interdisziplinärer Leitfaden für die Diagnosestellung und Therapie. von Kiedrowski R et al. Beilage 387037 in Der Deutsche Dermatologe Nr. 3/2013