Welt-Psoriasistag 2019: Skandal bei der Verbeamtung – Psoriasis als KO-Kriterium

HAMBURG/BERLIN – An Schuppenflechte erkrankte junge Leute werden in Berlin offenbar generell nicht zum Polizeidienst zugelassen. Die chronisch entzündliche Hauterkrankung gilt nach Informationen des Deutschen Psoriasisbundes (DPB) als Ausschlußkriterium für die Übernahme in ein Beamtenverhältnis. Joachim Koza, spricht von einem Skandal.

Die Senatsverwaltung mißachte mit ihrer Anwendung der bundesweit einheitlichen Polizeidienstvorschrift 300 geltendes Recht. Das erläuterte der Vorsitzende des Deutschen Psoriasisbundes auf der Vorab-Pressekonferenz anlässlich des Welt-Psoriasistages 2019. Er verwies dabei auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Juli 2013 (Az.: BVerwG 2 C 12.11). Die Richter hatten in einem damals bahnbrechenden Urteil die bis dahin geltenden generellen gesundheitlichen Anforderungen zurückgewiesen. Sie fordern eine amtsärztliche Bewertung des Einzelfalls unter Beachtung des medizinischen Fortschritts. Der DPB überprüft jetzt – alarmiert durch einen ihm bekannt gewordenen aktuellen Einzelfall – die Rechtspraxis in sämtlichen Bundesländern. Rechtswidrige Verfahrensweisen in anderen Bundesländern will die bundesweit aktive Patientenselbsthilfeorganisation gleichfalls öffentlich machen.

„Menschen mit sichtbaren chronischen Hautkrankheiten leiden weltweit unter Reaktionen in der Öffentlichkeit und im persönlichen Bereich, die von ihnen als negativ erlebt oder offen negativ geäußert werden,“ unterstrich Prof. Matthias Augustin bei der gleichen Veranstaltung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe die Problematik der sogenannten Stigmatisierung bereits 2014 in ihrem „Welt-Report“ offen angesprochen.

„Nach anfänglichen Widerständen hat die deutsche Gesundheitspolitik dem Thema der Stigmatisierung inzwischen einen hören Stellenwert eingeräumt,“ so Augustin. Mit dem Interventionsprojekt ECHT werden an den Universitätskliniken Hamburg und Kiel sowie demnächst auch Bonn erstmals robuste Daten über den Nutzen früher Interventionen in Kindergärten, Schulen und bei Studierenden gegen Stigmatisierung erhoben.

Im Zuge dieses vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes haben sich, so sein Eindruck, bereits wichtige neue Erkenntnisse zur Bedeutung und zum Ausmaß von Stigmatisierung ergeben. „Aktuelle Daten des Jahres 2019 zeigen beispielsweise, dass auch in Deutschland immer noch ein Großteil der Öffentlichkeit primär negativ und ablehnend auf Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten wie Psoriasis reagiert,“ berichtet der Hamburger Versorgungsforscher. So äußern nach bevölkerungsrepräsentativen Erhebungen 68% der Befragten, dass Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten öffentlich benachteiligt werden.  Rund jeder Dritte gibt an, dies auch bereits selbst erlebt zu haben.  84% berichten, dass Menschen mit sichtbaren Krankheiten angestarrt werden und 81% denken, dass sichtbare Hauterscheinungen Anlass für Distanz und Scheu vor Berührungen sind. Der Begriff „Stigmatisierung“ ist insgesamt 73% der Umfrageteilnehmer bekannt, häufiger im Westen als im Osten und vermehrt bei höherem Bildungsgrad.

„Diese öffentlich vorherrschende Grundhaltung kann nur – ganz im Sinne des Mottos des diesjährigen Welt-Psoriasistages – durch gemeinsame Stärke und Verbindung zwischen Patienten, Ärzten und der Öffentlichkeit verbessert werden,“ zeigt sich Augustin überzeugt. Gemeinsame Kampagnen wie „Bitte berühren“ stellten hierfür lediglich einen Ausgangspunkt dar, der "durch weitaus stringentere, von der Politik geführte Maßnahmen fortgesetzt werden muss".