„Schuppenflechte darf mein Leben nicht bestimmen“

Malgorzata E. erfährt im Alter von 13 Jahren, dass sie an einer ganzkörperlichen Psoriasis leidet. Ein Schock für sie, da sie weiß, dass die Krankheit von nun an ein Teil von ihr bleiben wird. Besonders als Jugendliche schränkt die Psoriasis sie stark ein: Sie nimmt weder am Sport- noch Schwimmunterricht teil, weil ihr die schuppigen „Flecken“ unangenehm sind. Erst als Erwachsene lernt sie schwimmen. Heute ist sie 64 Jahre alt und hat trotz einiger Rückschläge nie ihr Selbstbewusstsein verloren.

Als Malgorzata 13 Jahre alt war, bemerkte sie zum ersten Mal schuppige Stellen auf ihrem Körper. Nach einem Arztbesuch war die Diagnose klar: Psoriasis, also Schuppenflechte. Der Befund ist für die Schülerin eine Katastrophe, weil sie wusste, dass Psoriasis nicht heilbar ist.

Kurze Zeit nach den ersten Symptomen waren ihr Körper und die Kopfhaut so stark von der Psoriasis befallen, dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig wurde. Die einzige damals zur Verfügung stehende Therapie bestand aus Teerpräparaten. „Ich war damals zwischen drei und vier Wochen im Krankenhaus. Danach hatte ich meine Schuppenflechte einigermaßen gut im Griff“, so Malgorzata. „Der einzige Nachteil: Meine Haare waren nach der Behandlung der Kopfhaut so fettig, dass ich sie einen Monat lang nicht richtig sauber bekommen habe.“ Die Therapie empfand sie als belastend, da tägliches Eincremen mit der Teersalbe notwendig war, um an den betroffenen Stellen das Jucken zu kontrollieren. Ihr einziger Trostpreis: Es hat geholfen. „Ohne die Salbe hätte ich mich durch den starken Juckreiz blutig gekratzt.“

 

„Meine größte Einschränkung als Jugendliche: Nicht schwimmen gehen zu können.“

Gerade als Jugendliche kann eine solche Hauterkrankung belastend sein. Auch im Sommer versteckte sie ihre Haut unter langen Ärmeln und Hosen. Schwimmen hat sie als Jugendliche nie gelernt. Auch am Sportunterricht in der Schule nahm sie nicht teil, zu groß war die Scham, sich vor den Mitschülern aus- und umzuziehen. „Um das zu umgehen, habe ich von einer befreundeten Ärztin meiner Mutter eine Freistellung bekommen. Darauf habe ich bestanden“, berichtet sie. Erst als erwachsene Frau hat sie auf Wunsch ihres Ehemannes schwimmen gelernt.

Gemeinsam mit Ihren Hautärzten hat sie viele Therapien ausprobiert – nicht alle zeigten bei Malgorzata die gewünschte Wirkung. Die Balneophototherapie, bei der Bäder z. B. mit besonders hohem Salzgehalt zusammen mit UV-Licht eingesetzt werden, half ihr leider nicht. „Dafür linderten Kuren auf Borkum und jährliche Reisen in den Süden meine Beschwerden. Besonders die Kombination aus Meerwasser und dem Sonnenbaden tat mir gut. Doch durch das viele Sonnen habe ich leider schlussendlich Hautkrebs bekommen. Seitdem versuche ich die Sonne zu meiden, denn das soll mir nicht noch einmal passieren.“ Ihr Hautarzt empfahl ihr daraufhin eine medikamentöse Therapie mit Tabletten, diese musste Malgorzata jedoch aus gesundheitlichen Gründen leider abbrechen.

Mit ihrer jetzigen Kortison-Therapie und der Ernährungsumstellung hält sie ihre Krankheit in Schach

Seit einigen Jahren nimmt sie nun Kortison-Präparate ein und kommt mit dieser Therapie gut zurecht: Ihre Schuppenflechte hat sich gebessert. Trotzdem muss sie sich nach wie vor täglich Kortison-Creme verwenden, um den Juckreiz in den Griff zu bekommen. „Es ist wichtig, bei der Therapie am Ball zu bleiben – auch, wenn mich das konstante Eincremen manchmal vor Herausforderungen stellt.“ Zusätzlich auf ihre Ernährung zu achten hilft ihr sehr: Zum Beispiel isst sie keine Wurst mehr. Zudem macht sie einmal im Jahr eine Heilfastenkur im Kloster und verzichtet dabei 10 Tage lang auf Nahrungsmittel. Nach diesen 10 Tagen ist ihre Psoriasis gänzlich verschwunden. „Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören: Beispielsweise lassen Schokolade oder Alkohol meine Schuppenflechte förmlich aufblühen.“ Auch psychische Belastungen haben bei Malgorzata einen Einfluss auf die Erkrankung: Durch Stress bekommt sie Psoriasis-Schübe. Deshalb versucht sie, möglichst entspannt zu bleiben und sich weder im Job noch im Alltag stressen zu lassen – ein weiterer Grund für ihren jährlichen Klosteraufenthalt, denn dort kann sie entspannen.

Mittlerweile hat Malgorzata ihre Erkrankung akzeptiert und kommt gut mit ihrer vom Hautarzt verordneten Therapie zurecht. Mit der Zeit hat sie gelernt, auf ihren Körper zu hören und weiß, was ihr guttut. Auch gegenüber ihrem Umfeld ist sie immer offen mit ihrer Psoriasis umgegangen, damit jeder weiß, dass diese Krankheit nicht ansteckend ist. Durch die Kortison-Therapie hat sie ihre Psoriasis soweit in den Griff bekommen, dass sie sich auch traut, Röcke und Kleider anzuziehen – ein paar übriggebliebene Psoriasis-Flecken stellen für sie kein Hindernis mehr dar.

„Aufklärungsarbeit ist mir wichtig, weil ich einen langen Leidensweg hinter mir habe. Ich will den Menschen Mut machen, denn trotz Psoriasis kann man ein normales Leben führen und es in vollen Zügen genießen!“

Sie rät anderen Betroffenen regelmäßig zum Arzt zu gehen und die Therapie konstant und täglich durchzuführen – so, wie es der Arzt rät. „Ein guter Hautarzt, der immer wieder neue Therapie-Vorschläge macht, ist für den Therapie-Erfolg essentiell“, so Malgorzata. Die Forschung bleibt nicht stehen und bringt immer wieder neue Mittel auf den Markt. Ihr Motto: „Man muss es nicht so weit kommen lassen“. Sie informiert sich fortlaufend über neue Therapiemöglichkeiten und geht seit der Diagnose regelmäßig zum Dermatologen. „Ich wollte von Anfang an nicht zulassen, dass die Schuppenflechte mein Leben bestimmt“, so die 64-Jährige.