„Ich habe gelernt, aktiv auf die Menschen zuzugehen“

Joachim Klaus ist bereits seit 40 Jahren an Schuppenflechte erkrankt. Er geht selbstbewusst damit um und setzt sich für die Aufklärung von Betroffenen und der Bevölkerung über die Erkrankung ein. Dank moderner Therapiemöglichkeiten ist er heute beschwerdefrei.

Joachim Klaus

„Die Schuppenflechte war für mich keine Unbekannte, als sie bei mir ausbrach: Denn auch mein Vater war davon betroffen. Als ich ungefähr 20 Jahre alt war, hatte ich erste Symptome. Damals befand ich mich mitten in meinem Studium in Berlin“, so der heute 62-jährige, „zunächst waren nur meine Arme und Beine betroffen, später dann auch Kopf und Stirn. Meine Hauterscheinungen waren mir damals unangenehm. Auch weil meine Kommilitonen mich immer wieder fragten: ‚Wie siehst du denn aus?‘. Daraufhin habe ich mich immer mehr zurückgezogen und versteckt. Damals war ich bereits verheiratet. Natürlich hat die Psoriasis meine Frau gestört, aber sie hat mich trotzdem immer tatkräftig unterstützt – es gab weder Berührungsängste noch Ekel. Sie hat quasi meine Schuppen hinter mir weggewischt.“



Durch erkämpftes Wissen zur Therapie

Arm eincremen

Die Psoriasis Therapie, die er damals in der DDR erhielt, war nicht sonderlich erfolgreich. Nachdem er verschiedene Cremes ausprobiert hatte, von denen keine wirklich half, erfuhr Joachim Klaus kurzzeitige Linderung seiner Symptome durch eine cortisonhaltige Creme, die er während einer Kur durch Beziehungen zu einem Bekannten bekommen hatte: „Damit bin ich sehr sparsam umgegangen und habe sie eigentlich nur verwendet, wenn die Schuppenflechte wieder ganz schlimm war“, erzählt er. Dann kam die Wende. Nicht nur politisch, sondern auch für seine Schuppenflechte: „Ich habe eine Selbsthilfegruppe vom Deutschen Psoriasis Bund e. V. gefunden. Erst dort habe ich meine Erkrankung richtig kennengelernt und verstanden – ich habe alle Infomaterialien und Magazine verschlungen, die ich finden konnte“, so der 62-Jährige.

Sein neu erlangtes Wissen hatte zunächst nicht nur positive Folgen: Er stritt sich mit den Ärzten. „Patientengleichberechtigung und informierte Patienten waren den Ärzten, die ich damals aufgesucht habe, ein Dorn im Auge“, so Joachim Klaus, „mein Drängen auf die neuesten Medikamente konnten sie nicht verstehen oder nachvollziehen“. Dann wechselte er in die Universitätshautklinik Magdeburg – mit Erfolg: „Seit einigen Jahren bin ich nun dank moderner Therapiemöglichkeiten beschwerdefrei. Neben Informationen zu meiner Erkrankung und der Aufklärung zu neuen Therapieoptionen hat mir meine damalige Selbsthilfegruppe zu viel mehr verholfen: Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Erkrankung. Ich habe gelernt, dass ich gegen die Schuppenflechte vorgehen und aktiv auf die Menschen zugehen muss. Ein mutiger Schritt für mich. Aber schließlich bringt es nichts, sich zu verstecken und gehen zu lassen. Man muss offen damit umgehen. Und man muss aktiv etwas gegen seine Erkrankung tun. Denn es gibt mittlerweile Mittel und Wege, dass man einigermaßen erscheinungsfrei ist – und das kann man auch von seinem Arzt fordern.“



Die größte Herausforderung liegt heutzutage in der Unwissenheit der Bevölkerung

Von 1991 bis 2002 war Joachim Klaus Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Psoriasis Bundes e.V. und setzt sich bis heute aktiv für die Aufklärung von Betroffenen und der Bevölkerung ein: „Die größte Herausforderung heutzutage ist die Unwissenheit der Bevölkerung und dass die Betroffenen ihre Rechte nicht einfordern. Zum Beispiel haben wir im Deutschen Psoriasis Bund e.V. stark daran gearbeitet, dass die Bäderordnung geändert wird, da Menschen mit Hauterkrankungen keine öffentlichen Schwimmbäder besuchen durften. Nach der Änderung dürfen nun auch Personen mit Hautkrankheiten, die nicht ansteckend sind, eine öffentliche Badeeinrichtung besuchen“, so Joachim Klaus.

Er geht selbst gerne schwimmen und wollte sich sein Hobby nicht nehmen lassen – auch wenn er im Schwimmbad schon auf seine Erkrankung angesprochen wurde: „Wie sehen Sie denn aus? Das Sie sich überhaupt hier her trauen“, war eine Bemerkung, an die sich der 62-Jährige noch erinnern kann. „Viele Psoriatiker haben nicht den Mut sich zu verteidigen, wenn sie angefeindet werden und verlassen dann lieber das Schwimmbad. Aber das ist verkehrt. Kinder sind da ganz anders: Beim Baden hat mich einmal ein fremdes Kind gefragt, was das an meiner Haut ist. Mein Enkel hat daraufhin gesagt: ‚Das sind Schuppen, das sieht man doch‘. Das fand ich sehr süß.“



Mittlerweile gibt es Mittel und Wege, die einem helfen, die Schuppenflechte zu besiegen

Rezept Apotheke

Viele Menschen verspüren Ekel vor Schuppenflechte-Patienten und fassen sie deshalb nicht an, obwohl die Erkrankung nicht ansteckend ist. „Es gibt heute viele Mittel und Wege, dass man nicht so aussehen muss“, sagt Joachim Klaus, „Patienten, die sich gehen lassen, werden ausgegrenzt, auch weil sie sich selber ausschließen – ein Teufelskreis. Man sollte unbedingt zum Hautarzt gehen und sich von ihm helfen lassen“.

Joachim Klaus hat die Hoffnung im Kampf gegen die Schuppenflechte noch nicht aufgegeben. „Ich hoffe, dass der ein oder andere doch ein bisschen Mut findet und beginnt, etwas gegen seine Psoriasis zu tun.“