Erster Versorgungsvertrag Psoriasis: Bessere Versorgung für Patienten, mehr Sicherheit für den Arzt

HAMBURG – Die leitliniengerechte Versorgung von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte wird nachhaltig gestärkt: Seit dem 1. April gilt der erste „Vertrag zur besonderen Versorgung in der Indikation Psoriasis“ nach §140a des Sozialgesetzbuchs V. Das haben die Techniker Krankenkasse (TK) und die DermaMed e.G., die Einkaufsgenossenschaft des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD), miteinander vereinbart.

Die Vereinbarung gilt für Patienten, bei denen die Behandlung mit einem Biologikum oder mit einem      PDE4-Hemmer medizinisch angezeigt ist. Sie erleichtere ihnen den Zugang zu diesen modernen Therapiemöglichkeiten, so BVDD-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer Dr. Ralph von Kiedrowski. Zugleich erhalte der behandelnde Hautarzt mehr Regresssicherheit – besseren Schutz vor eventuellen Rückforderungen durch die gesetzliche Krankenversicherung.

„Wir glauben fest daran, dass der Versorgungsvertrag eine große Verbesserung für Menschen mit Schuppenflechte bedeutet“, sagt auch Dr. Goentje-Gesine Schoch von der TK. „Die Ärzte haben damit eine hohe Sicherheit bei der Verordnung dieser sehr wirksamen, aber auch sehr hochpreisigen Arzneimittel. Das wird erstmals nur den TK-Versicherten zugute kommen, aber hoffentlich mittelfristig allen Psoriasis-Patienten.“

In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen an Schuppenflechte erkrankt, das sind rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. Schätzungsweise 400.000 von ihnen leiden an einer mittelschweren bis schweren Form. Die TK versichert insgesamt 10,4 Millionen Menschen. Weitere Ersatzkassen haben bereits Interesse gezeigt, das Vertragswerk zu übernehmen. Als Blaupause gilt ein ähnlicher §140a-Vertrag der TK für rheumatische und gastroenterologische Erkrankungen, den viele andere Ersatzkassen in der Breite für ihre Versicherten bereits übernommen haben.

Was der Vertrag für Patienten bedeutet

Psoriasis-Betroffene beklagen oft, dass Hautärzte sich nicht ausreichend Zeit für sie nehmen können. PASI, NAPSI, DLQI & Co., die verschiedenen Fragebögen und Laboruntersuchungen, das komplexe Krankheitsmanagement: Für TK-versicherte Schuppenflechte-Patienten wird dieser Mehraufwand nun vergütet.

Zudem sieht der Vertrag die Vergütung von Maßnahmen wie die Früherkennung und Behandlung typischer Begleit- und Folgeerkrankungen, psychosoziale Begleitung oder besondere Betreuung in Phasen der Therapie-Einstellung oder -Umstellung vor.

„Der mit der Techniker Krankenkasse abgeschlossene Vertrag dokumentiert erstmalig, dass der medizinische Betreuungsbedarf von Versicherten mit einer mittelschweren bis schweren Psoriasis gegeben und angemessen zu vergüten ist“, betont Hans-Detlev Kunz, Deutscher Psoriasis Bund (DPB).

Im Rahmen des Vertrags erhalten auf Psoriasis spezialisierte Dermatologen für die Versorgung von TK-versicherten, mittelschwer bis schwer an Psoriasis erkrankten Patienten eine deutlich höhere Vergütung als im Regelleistungsvolumen.

Ein erstmals in dieser Form aufgelegtes Ampelsystem informiert die teilnehmenden Dermatologen über den therapeutischen Nutzen sowie die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Arzneimittel.

Teilnehmen können Dermatologen, die Mitglied im BVDD sind und die über ein gültiges Zertifikat Psoriasis der Deutschen Dermatologischen Akademie verfügen oder 16 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten einer Psoriasis-spezifischen Fortbildung und relevante Erfahrungen mit der Verschreibung innerlicher Medikamente nachweisen.

„Durch den Versorgungsvertrag mit der Techniker Krankenkasse wird künftig gewährleistet, dass Patienten hier auf hohem Niveau versorgt sind. Das erfordert eine gute Dokumentation, auch mit patientenzentrierten Versorgungszielen“, so Prof. Dr. Wiebke Ludwig-Peitsch, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Phlebologie im Vivantes-Klinikum im Friedrichshain, Berlin.

Den erforderten Dokumentationsaufwand der teilnehmenden Ärzte hält Dr. von Kiedrowski für überschaubar. Dermatologen, die bereits an das deutsche Psoriasis-Register PsoBest melden, haben den Vorteil, so von Kiedrowski, dass die PsoBest-Bögen übernommen werden können.

Mehr Information für Ärzte auf bvdd.de