„Das kann nur Selbsthilfe leisten“ - Ein Interview mit Marius Grosser, Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes e.V.

Ein Blick nach vorn: Welche Ziele hat sich der Deutsche Psoriasis Bund für 2019 gesteckt? Gibt es Schwerpunkt-Aktivitäten, worauf Sie in diesem Jahr besonders fokussieren möchten?

Der Deutsche Psoriasis Bund wird auch im Jahr 2019 wieder einige Tages- und Wochenendseminare für die Menschen mit Schuppenflechte anbieten. Unser Fokus liegt nach wie vor darauf, den Erkrankten nicht nur Wissen zu ihrer Erkrankung und zu Behandlungsmöglichkeiten zu vermitteln, sondern ihnen auch das gemeinsame Treffen, den Erfahrungsaustausch untereinander und die persönliche Begegnung zu ermöglichen. Das wird natürlich auch alters- bzw. zielgruppengerecht geschehen: Mit dem viertägigen Psoriasis-Workshop „(P)so gut – gemeinsam“ im Juli bieten wir beispielsweise wieder eine Veranstaltung für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter ab 15 Jahren an. Und im September wird es mit unserem „Kinder-Eltern-Seminar“ eine dreitägige Veranstaltung für Kinder mit Schuppenflechte in Begleitung ihrer Eltern und Geschwister geben. Selbstverständlich wird der Deutsche Psoriasis Bund im Jahr 2019 aber auch die digitalen Pfade der Selbsthilfe weiter beschreiten und zum Beispiel Webinare anbieten. Wir werden uns außerdem intensiv damit auseinandersetzen, welche weiteren digitalen Selbsthilfe-Angebote wir künftig machen werden. Besonders freue ich mich natürlich auch auf die weitere Arbeit im Rahmen der Kampagne „Bitte berühren“.

Ein Blick zurück: Wie bewerten Sie das Jahr 2018? Was waren hier Erfolge und Meilensteine, die Sie als Selbsthilfeorganisation für die Patienten auf den Weg bringen konnten?

Als ganz besonderer Meilenstein im Jahr 2018 ist sicherlich das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Projekt „In meiner Haut“ zu nennen, bei dem Interventionsformate zur Entstigmatisierung von sichtbaren Hauterkrankungen entwickelt und erprobt werden. Wie bei „Bitte berühren“, arbeiten auch bei diesem Projekt Ärzteschaft und Selbsthilfeorganisationen eng zusammen, um Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber den erkrankten Menschen abzubauen. Dass es dieses Projekt überhaupt gibt, ist letztlich auf die langjährigen und intensiven Aktivitäten aller beteiligten Akteure – darunter natürlich auch der Deutsche Psoriasis Bund – im Vorfeld und Nachgang des Beschlusses der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Psoriasis zurückzuführen. Ich denke, darauf können alle beteiligten Kooperationspartner sehr stolz sein.

Neben solchen Meilensteinen gibt es aber eben auch die tagtägliche Arbeit des Deutschen Psoriasis Bundes, die den Menschen Hilfe und Unterstützung im Umgang mit ihrer Schuppenflechte gibt. Ein besonderes Highlight ist hier unser im Jahr 2018 erstmalig durchgeführtes „Kinder-Eltern-Seminar“, das von den teilnehmenden Kindern und ganz besonders von den Eltern äußerst dankbar angenommen wurde. Einen Erfolg und einen weiteren Meilenstein unserer Arbeit sehe ich in jedem Menschen mit Schuppenflechte, dem wir weiterhelfen, dem wir Halt und Orientierung geben und den wir in einer schwierigen Lebenslage auffangen konnten. Das sind für mich die eigentlichen „Leuchttürme“ in der Selbsthilfe-Arbeit.

Einblicke: Was motiviert Sie persönlich, sich tagtäglich für die Selbsthilfe und für die Menschen mit Schuppenflechte zu engagieren?

Die Arbeit in der Selbsthilfe erlebe ich als eine bereichernde und sinnstiftende Aufgabe. Denn man kann anderen Menschen helfen. Und wenn es nur eine Person ist, der man weiterhelfen konnte, dann ist das schon enorm wertvoll. Diese große Sinnhaftigkeit ist mir sehr wichtig. Und ich habe größte Hochachtung vor allen, die ehrenamtlich in der Selbsthilfe aktiv sind. Sie setzen sich für andere ein, obwohl sie selbst häufig gesundheitlich große Probleme haben. Das finde ich bemerkens- und an sich schon unterstützenswert. Deshalb engagiere ich mich sehr gerne in der Selbsthilfe.

Hinzu kommt, dass die Selbsthilfe ein bedeutender Grundpfeiler im gesundheitlichen Versorgungssystem in Deutschland ist. Selbsthilfe- bzw. Patientenorganisationen nehmen vielfältige Aufgaben wahr, die von den „Professionellen“ im Versorgungssystem nicht geleistet werden können. Der persönliche Erfahrungsaustausch der Erkrankten untereinander zum Beispiel – das kann nur die Selbsthilfe leisten. Und dass sich Patientinnen und Patienten in Selbsthilfegruppen und -organisationen zusammenschließen, um gemeinsam für ihre Interessen einzustehen und zu kämpfen, ist ein wichtiges demokratisches Element in unserer Gesellschaft. Ohne Selbsthilfe- bzw. Patientenorganisationen sähe die gesundheitliche Versorgung in Deutschland sicherlich ganz anders aus.

Herr Grosser, vielen Dank für das Gespräch.