Kräfte bündeln für eine bessere Versorgung bei Schuppenflechte – 11. Nationale Versorgungskonferenz (NVK) Psoriasis stellt Weichen für neue Versorgungsziele

HAMBURG (Blu) – Wie lässt sich die Lebensqualität von Schuppenflechte-Patienten in Deutschland verbessern? Das ist die zentrale Frage, mit der sich forschende Dermatologen, engagierte Fachärzte der regionalen Psoriasis-Netze, Vertreter von Selbsthilfe, Krankenkassen und Pharmaindustrie auf der jährlichen Nationalen Versorgungskonferenz (NVK) Psoriasis befassen.

Der Schauplatz der 11. Nationalen Versorgungskonferenz Psoriasis (NVKP), 2019 erstmals der große Saal der Hamburgischen Patriotischen Gesellschaft von 1769, bot einen großzügigen und dennoch schlichten äußeren Rahmen. Das denkmalgeschützte Zentrum hanseatischer Kultur und Wissenschaft signalisiert zugleich den Bedeutungszuwachs, den die NVKP seit dem Start im Jahr 2009 gewonnen hat; sichtbar allein schon an den weiter steigenden Teilnehmerzahlen – vor zehn Jahren knapp 70 heute 170 Teilnehmer –, sichtbar noch viel mehr an den vielfältigen Tätigkeitsfeldern, aus denen bei dieser fünfstündigen Konferenz berichtete wurde: aus den regionalen Psoriasisnetzen, aus der Patientenselbsthilfe, von der FORSA-Umfrage, zum Sachstand des wissenschaftlichen Projekt ECHT zur Stigmatisierung bei Psoriasis, zur Gesundheitspolitik, zur weiteren Umsetzung der Versorgungsziele 2016-2020.

Voraussichtlich 2021 setzt die NVKP dann ihren nächsten Versorgungsziele-Plan in Kraft, in dem die bundes-deutschen Psoriasisexpertinnen und -experten mit Blick auf die rasante medizinische Entwicklung neu bestimmen, was in der Versorgung der Psoriasis in den folgenden fünf Jahren machbar erscheint und erreicht werden soll. Die Weichen werden in den nächsten Monaten gestellt. Der Leiter der 11. NVKP, Prof. Matthias Augustin, schwor das Auditorium bereits auf einen möglichen Paradigmenwechsel für die Zukunft ein.

Das Bemühen um objektive medizinische Messgrößen – die Bestimmung des PASI und des Dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI) – stand bei der Gründung der NVKP vor zehn Jahren im Vordergrund. Das von Prof. Augustin jetzt vorgestellte neue Konzept firmiert unter dem Titel „Cumulative Life Course Impairment“ (CLCI). Es hat zum Ziel, den „kumulierenden“ (sich anhäufenden) Schaden einer chronischen Erkrankung wie der Psoriasis zu vermeiden und setzt auf frühestmögliche Intervention.

Der Grundgedanke ist dabei keineswegs neu. Augustin selbst und andere hatten dazu bereits 2010 einen Score veröffentlicht. Er ermöglicht es, über die Zeitachse das Risiko zu berechnen, im Verlauf einer Langzeiterkrankung irreversible gesundheitliche Schäden infolge physischer wie psychischer Begleiterkrankungen (Komorbidität) und Stigmatisierung davonzutragen. Eine frühzeitige Intervention macht sich angesichts zunehmender Komorbidität mit der Dauer einer nicht hinreichend behandelten chronischen Erkrankung auch ökonomisch bezahlt, wie Augustin weiter darstellte.

Die Last der chronischen Erkrankung und die Bedürfnisse des Patienten sollen zu den maßgeblichen Kriterien des Handelns werden, so Augustins weitergehende Überlegungen, ganz auf der Linie des „Global Report on Psoriasis“ der Weltgesundheitsorganisation von 2016. In dieser Hinsicht ist der PASI nur noch eine, zweifelsohne noch immer sehr wichtige, aber bei weitem nicht mehr die einzige Zielgröße unter vielen anderen, wie der Leiter der NVKP unterstrich. Zugleich geht mit der Orientierung an den Bedürfnissen des Patienten ein Perspektivenwechsel einher, im Sinne des WHO-Dokuments hin zu einer ganzheitlichen Sichtweise, die ihn umfassend in all seinen Lebensbezügen in den Blick nimmt. „People Centered Healthcare“ (PHCP) ist die zukünftig maßgebliche Versorgungskonzeption weltweit“, so Augustins Resümee, dem er die NVKP verpflichtet sieht.

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