Nachgefragt – Stimmen von der Nationalen Versorgungskonferenz (NVK) Psoriasis

HAMBURG (Blu) – „Bitte Berühren“ hat sich unter den Teilnehmern der diesjährigen Nationalen Versorgungskonferenz (NVK) umgehört und sie um eine Einschätzung verschiedener Aspekte der Psoriasis-Versorgung in Deutschland gebeten.

BB: Die Versorgungslücke wird kleiner, so das Fazit auch der heutigen NVK, und dennoch gibt es immer noch Unterversorgung oder Optimierungsbedarf. Welche Meilensteine sind als nächstes zu erreichen?

Prof. Dr. med. Wiebke Ludwig-Peitsch, Dermatologin aus Berlin: Als nächstes muss erreicht werden, dass tatsächlich alle Patienten, die zur Behandlung ihrer Psoriasis eine Systemtherapie benötigen, Zugang zu dieser Therapie haben. Und dass nicht aus Unwissenheit und/oder Kostengründen die Therapien nur bestimmten Patientengruppen vorbehalten werden. Wichtig ist auch, dass Patienten mit einer leichten Psoriasis gut bzw. künftig besser versorgt sind. Für diese Patienten ist oftmals eine topische Therapie ausreichend. Während es in der Entwicklung von Systemtherapien in den letzten Jahren rasante Fortschritte gab, hat sich leider in der Entwicklung der topischen Therapie nur wenig getan. Hier wäre es schön, künftig ebenfalls innovative Ansätze zur Verfügung zu haben.

BB: Was sind die aus Ihrer Sicht relevantesten Ergebnisse der diesjährigen NVK?

Hans-Detlev Kunz, Deutscher Psoriasis Bund (DPB): Die partnerschaftlichen Kooperationen zwischen Forschern, Verordnern und Patientenvertretern sind weiterhin wichtig und bedeutsam. Der mit der Techniker Krankenkasse abgeschlossene Versorgungsvertrag dokumentiert erstmalig, dass der medizinische Betreuungsbedarf von Versicherten mit einer mittelschweren bis schweren Psoriasis gegeben und angemessen zu vergüten ist.

BB: Was können Patienten von einer solchen Konferenz bzw. konkret als Ergebnis der heutigen NVK erwarten?

PD Dr. med. Thomas Rosenbach, niedergelassener Dermatologe aus Osnabrück: Die Patienten können erwarten, dass sie auf Dauer eine bessere Versorgung erhalten, dass der Hautarzt noch besser versteht, wie belastend die Schuppenflechte ist, dass er verstärkt nachschaut, ob Patienten eine Gelenkbeteiligung haben. Er guckt seit Jahren nach den Begleiterkrankungen der Schuppenflechte, also nach Bluthochdruck, Diabetes und solchen Krankheiten. Darüber hat man sich als Hautarzt vor über 20 Jahren gar keine Gedanken gemacht bzw. wusste nicht um die Relevanz. Dass das Risiko für solche Begleiterkrankung erhöht ist, ist eine relativ neue Erkenntnis. Mittlerweile ist es aber schon Standard geworden, dass Hautärzte ihre Patienten darauf hin untersuchen. Das sieht man auch an den Zahlen, die am Versorgungsinstitut in Hamburg erfasst werden. Wir haben in den letzten zehn Jahren eine deutlich bessere Versorgung der Patienten erreicht. Das heißt, der Hautzustand hat sich deutlich verbessert, Patienten werden viel früher zum Rheumatologen geschickt und auch die Begleiterkrankungen werden viel besser erkannt. Insgesamt hat es deutliche Verbesserungen für Menschen mit Schuppenflechte gegeben, auch wenn es der Einzelne nicht immer unmittelbar selbst so erlebt.

BB: Sie haben schon mehrfach in den vergangenen Jahren an einer Nationalen Versorgungskonferenz Psoriasis teilgenommen. Was war Ihre Erwartung an die heutige Konferenz?

Claudia Liebram, Psoriasis-Netze: Wir hören im Psoriasis-Netz aus unserer Community immer wieder, dass Patienten Schwierigkeiten haben, einen Psoriasis-erfahrenen Arzt zu finden, vor allem einen, der sie vernünftig berät, der ihnen bei Bedarf eine wirksame Therapie verordnet. Dabei geht es weniger um die Erwartung, dass Ärzte immens viel Zeit aufbringen, sondern viel mehr, dass sie das Gefühl haben, dass man ihnen dort eine leitliniengerechte, gute Therapie anbieten kann. Bei der Versorgungskonferenz hören wir, wo die Ärzte die Probleme sehen und wo da Lücken klaffen, beispielsweise auch regionale Versorgungslücken. Wenn wir dann von unseren Community-Mitgliedern hören, dass sie keinen Arzt finden, dann können wir dies besser einordnen und unseren Mitgliedern Tipps geben.

BB: Was sind aus Ihrer Sicht die Neuerungen und relevanten Ergebnisse der diesjährigen NVK?

Dr. Ralph von Kiedrowski, Berufsverband der Dermatologen:
Ich persönlich glaube, dass es in der Dermatologie gleich mehrere entscheidende Neuerungen gibt. Besonders hervorheben möchte ich aber den neu geschlossenen Versorgungsvertrag der Techniker Krankenkasse. Zum einen, weil nun erstmals der Betreuungsaufwand auf Seiten des Arztes, also das Management der Erkrankung, über die mageren Vergütungssätze der Gesetzlichen Krankenkasse hinaus vergütet bzw. belohnt wird, könnte man eigentlich sagen. Denn seit Jahren haben wir hier auch im Rahmen der Versorgungskonferenz darüber diskutiert und eine aufwandsgerechte Vergütung gefordert. Jetzt wird dieser Aufwand erstmalig in einem Versorgungsvertrag auch so abgebildet.

Für die Versicherten bedeutet dieser Versorgungsvertrag, dass es vielleicht auch den einen oder anderen Hautarzt geben wird, der nun künftig erstmals Systemtherapien anbieten wird, da es relativ klare Vorgaben und Übersichten gibt, welche Medikamente evidenzbasiert eingesetzt werden können. Damit wird er sich ein Stück weit in der Therapiewahl gestärkt fühlen und vielleicht erstmals eine solche Therapieform anbieten. Denn wir haben nach wie vor das Problem, dass nur ein Teil der Hautärzte solche Systemtherapien anwenden.

BB: Eine leitliniengerechte, moderne Behandlung ist Voraussetzung für eine gute Lebensqualität von Menschen mit Schuppenflechte. Wie können Patienten sicher sein, einen Hautarzt zu finden, der sich mit Psoriasis auskennt und bereit ist, eine solche Behandlung anzubieten?

Dr. med. Dirk Maaßen, Psoriasis-Netz Südwest: Den richtigen Hautarzt zu finden, das ist in der Tat eines der größten Probleme für die Patienten heutzutage. Es gibt allerdings seit zwei Jahren eine neue Möglichkeit: Es wurde ein sogenanntes DDA-Zertifikat Psoriasis geschaffen als ein besonderes Fortbildungsmerkmal für Klinikärzte und niedergelassene Dermatologen, die sich in besonderem Maße mit der Behandlung der Psoriasis auskennen. Ärzte, die dieses Fortbildungszertifikat erworben haben, sind auf der Homepage der Deutschen Dermatologischen Akademie (DDA) in einer Suchmaschine gelistet. Mittlerweile haben etwa fünf Prozent der deutschen Hautärzte diese Qualifikation erworben. Hautärzte, die auf Psoriasis spezialisiert sind, finden sich auch in der Online-Dermatologensuche des BVDD auf www.bitteberuehren.de.