Ausbildung mit Schuppenflechte

Einen Beruf zu erlernen, bedeutet auch sich selbst zu verwirklichen. Eine chronische Erkrankung wie Schuppenflechte (Psoriasis) kann hierbei zu einer Hürde werden. Dabei können Menschen mit Schuppenflechte viele Berufe genauso gut ausüben wie Beschäftigte ohne körperliche Einschränkung. Mit einer genauen Überlegung und der richtigen Informationsbeschaffung steht dem Ausbildungswunsch meistens nichts im Wege.

Gerade wenn es um den Start ins Berufsleben, insbesondere um die Wahl der Ausbildung, geht, müssen junge Menschen lernen mit Herausforderungen umzugehen. Von Schuppenflechte betroffene Jugendliche stehen dabei nicht nur vor der Frage nach persönlichen Interessen und Fähigkeiten, sondern kämpfen oft mit der Unsicherheit, ob sie aufgrund der Krankheit überhaupt eine Ausbildung bewerkstelligen können. Im täglichen Umgang mit einer Erkrankung wie Schuppenflechte haben sich junge Menschen oft Fähigkeiten wie Eigenverantwortung und Disziplin angeeignet. Diese können für einen Berufseinsteiger hilfreich sein. Um sicher ins Berufsleben starten zu können, sollten sich angehende Auszubildende über mögliche Ausbildungsberufe, die Inhalte und Voraussetzungen gut informieren.

Beratungsstellen vor Ort

Grundsätzlich gilt für Menschen mit Schuppenflechte, dass ihnen alle Ausbildungsberufe offenstehen. Das regelt das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung. Zudem wird im Grundgesetz Art. 3 festgehalten, dass alle Menschen gleich zu behandeln sind.

Damit der Einstieg ins Berufsleben leichter fällt, können Betroffene auf verschiedene Möglichkeiten der Beratung zurückgreifen. Unterstützung bietet beispielsweise die zuständige Agentur für Arbeit. Angehende Azubis können sich hier über verschiedene Berufe und die Anforderungen informieren, aber auch nach geeigneten Ausbildungsstellen suchen oder, sollten sich die eigenen Wünsche nicht umsetzen lassen, zu Ausweichmöglichkeiten beraten lassen.

Daneben klären die städtischen Integrationsämter  zu möglichen Hilfestellungen und den Rechten als Auszubildender auf. Weiterhin beraten sie zu den Voraussetzungen für einzelne Fördermöglichkeiten. Die Beratungsstellen der Industrie- und Handelskammer (IHK) informieren über die Ausbildungsvoraussetzungen, welche Jobs infrage kommen und was für Betriebe durch die IHK unterstützt werden. Zusätzlich können sich Auszubildende zu den Ausbildungsinhalten, zum zeitlichen Ablauf der Ausbildung, der Verlängerung von Pausen- oder Prüfungszeiten, den Möglichkeiten zur Prüfungsanpassung, zum Beispiel Einzel- statt Gruppenprüfung, und weiterer Unterstützung beraten lassen.

Den Ausblidungsalltag meistern

Wer einen Ausbildungsplatz gefunden hat, hat die erste Hürde bereits gemeistert. Da der Verlauf einer Schuppenflechte nicht immer kalkulierbar ist, kann es vorkommen, dass die Gegebenheiten in der Ausbildung eine Verschlechterung der Krankheit begünstigen. Der Kontakt mit bestimmten Substanzen, Temperaturschwankungen oder Druck und Reibung auf der Haut können sich negativ auswirken, müssen es aber nicht. „Auszubildende können den Betriebsarzt des Unternehmens, in dem die Beschäftigung aufgenommen wurde, hierzu um Rat fragen“, berichtet Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Ärztliche Direktorin und Vizepräsidentin Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte.

In jedem Betrieb muss es einen Betriebsarzt geben. Ist das nicht der Fall, muss der Betrieb einen nennen können. Dieser kommt in das Unternehmen und ist für die Beschäftigten ansprechbar. „Der Betriebsarzt kann Unsicherheiten beim Auszubildenden einordnen und zu Möglichkeiten der Prävention konstruktiv beraten und Ängste nehmen“, so Wahl-Wachendorf weiter. Wichtig ist, dass betroffene Auszubildende auf ihre Erfahrung zurückgreifen, wann auf welche Reize reagiert wird. So können schon frühzeitig bestimmte Vorkehrungen getroffen werden. „Möglich ist auch eine Beratung durch den Betriebsarzt in Bezug auf eine eventuelle Optimierung des Arbeitsplatzes. Betriebsärztlich wird dann die Überprüfung von Gefahrenstoffen und die Anpassung der Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel das Tragen von Handschuhen angestoßen. Auch eine weitere Behandlung durch den Dermatologen kann vom Betriebsarzt initiiert werden“, erklärt Wahl-Wachendorf. Sollte ein Auszubildender trotz allem aufgrund der Erkrankung für längere Zeit ausfallen, bedeutet dies nicht, dass er die Ausbildung abbrechen muss. Als Faustregel gilt, dass ein Auszubildender trotz einer Fehlzeit von zehn Prozent während der gesamten Ausbildungszeit – zirka 12-15 Wochen – noch zur Abschlussprüfung zugelassen werden kann. Sollte diese Dauer überschritten werden, kann  er bei der zuständigen Stelle, zum Beispiel der IHK, einen Antrag auf Verlängerung der Ausbildung stellen, so sieht es der Paragraf 8 des Berufsbildungsgesetzes vor.

Laut des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) muss der Auszubildende den Arbeitgeber nicht über seine chronische Erkrankung informieren. Je nach Situation kann es aber durchaus sinnvoll sein, mit seinen Ausbildern darüber zu sprechen. Man schafft ein Vertrauensverhältnis und kann gemeinsam nach Lösungen suchen.


Beratungsangebote

Wer berät vor Ort:

  • Bundesagentur für Arbeit informiert zu Ausbildungsberufen, Ausbildungsinhalten und hilft bei der Ausbildungsplatzsuche
  • Integrationsamt informiert zu Rechten der Auszubildenden, Hilfestellungen und finanziellen Förderungen
  • IHK berät zur Berufswahl, zu Prüfungsfragen und Problemen in der Ausbildung

Weitere Beratungsstellen

  • Hautärzte mit dem Zertifikat Berufsdermatologie
  • Betriebsärzte in den Unternehmen
  • Private Organisationen oder Stiftungen, wie „Aktion Luftsprung", die sich Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen widmen
  • Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

 

Weitere Informationen

  • Aktiv im Job. Patientenratgeber rund um Beruf, Ausbildung und Sozialrecht
  • Patientenbroschüre Gut Leben mit Psoriasis