Tipps zum Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten

Darf der Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch nach meiner Psoriasis fragen? Muss ich (wahrheitsgemäß) antworten und wenn ja, wie sage ich es am besten? Wer an einer mittelschweren bis schweren Psoriasis leidet, kann die betroffenen Hautstellen häufig nicht durch Kleidung verstecken. Ob es deshalb ratsam ist, die Erkrankung offen anzusprechen oder sie besser für sich zu behalten, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die „Bitte berühren“-Redaktion hakte nach – beim Sozialverband VdK und dem Deutschen Psoriasis Bund.

Darf der das? Was tun, wenn der potenzielle neue Chef nach der Psoriasis fragt?

Viele kennen die Situation: Die schriftliche Bewerbung hat einen guten Eindruck hinterlassen und wenig später sitzt man seinem potenziellen Vorgesetzten in einem persönlichen Vorstellungsgespräch gegenüber. Trotz anfänglicher Nervosität läuft es gut, und nach kurzem Smalltalk werden Fähigkeiten, Stärken und Schwächen beleuchtet. Doch dann blickt der potenzielle neue Arbeitgeber auf die geröteten, schuppenden Hautstellen im Gesicht und fragt – völlig unvermittelt: „Ist das eine Hautkrankheit?“

In Deutschland leiden etwa 400.000 Patienten an einer mittelschweren bis schweren Form von Psoriasis (Augustin M et al., Versorgung der Psoriasis in Deutschland: Fakten 2014). Ob Sie im Vorstellungsgespräch Ihre Erkrankung offenlegen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Fakt ist: Die Frage des Arbeitgebers nach einer bestehenden Erkrankung gilt arbeitsrechtlich als unzulässig. Ähnlich wie bei der Frage nach einer Schwangerschaft, dürfe der Befragte in einem solchen Fall wissentlich eine falsche Antwort geben, heißt es dazu beim Sozialverband VdK Deutschland e.V. (www.vdk.de) – es sei denn, die Erkrankung oder Schwerbehinderung verhindert, dass man seine Aufgaben und arbeitsvertraglichen Pflichten überhaupt erfüllen kann. Wer nicht wahrheitsgemäß antwortet, sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass dies das Vertrauensverhältnis entsprechend belasten kann, wenn die Erkrankung doch irgendwann kommuniziert wird.

Der richtige Umgang mit Psoriasis im Vorstellungsgespräch: Was raten Experten?

Ein Patentrezept zum richtigen Umgang mit Psoriasis gibt es nicht. Sowohl der Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB) als auch der VdK empfehlen eher den offenen Umgang – abhängig von unterschiedlichen Faktoren.

„Wenn man gut therapiert und mehr oder weniger erscheinungsfrei ist, besteht wohl nur in den seltensten Fällen die Notwendigkeit, die Psoriasis zu offenbaren“, meint beispielsweise der Geschäftsführer des DPB, Marius Grosser. Die Erkrankung auf Dauer zu verbergen, gelinge aber nur in den seltensten Fällen. „Vielen Erkrankten tut es gut, sich am Arbeitsplatz nicht ‚verstecken‘ zu müssen. Die Erkrankung zu verbergen und zu verheimlichen geht immerhin auch mit einer erheblichen psychischen Belastung einher“, so Grosser, der selbst von Psoriasis betroffen ist. Dem stehe die Gefahr der Ausgrenzung und des Mobbings, der Stigmatisierung und Diskriminierung gegenüber. „Insofern spielt auch das erwartete Betriebsklima eine Rolle.“

Wann und wie sagt man es am besten?

„Unserer Erfahrung nach ist es in vielen Fällen besser, die Psoriasis offen anzusprechen. Wichtig wäre, es nicht gleich zu Anfang, aber auch nicht erst am Ende des Vorstellungsgesprächs zu erwähnen“, so Dorothee Czennia, Referentin für Behinderung beim VdK. Auf keinen Fall solle man seine persönliche Leidensgeschichte in allen Details schildern. Den Arbeitgeber interessiere vor allem, ob der Bewerber für die Tätigkeit oder Ausbildung geeignet ist und ins Team passt.

Ob und wie ich in einem Vorstellungsgespräch über meine Psoriasis spreche, diese Frage stellt sich nur für Menschen, die schon vor Antritt eines neuen Jobs von der Erkrankung wissen. Bei vielen Betroffenen zeigt sich die Psoriasis aber erst nach der Berufsausbildung, möglicherweise erst nach mehreren Jahren im Berufsleben. Um Stigmatisierung, Ausgrenzung oder sogar Mobbing vorzubeugen, ist es auch in diesem Fall ratsam, frühzeitig Vorgesetzte, Arbeitskollegen oder Ausbildungsbeauftragte über das Krankheitsbild zu informieren und deutlich zu machen, dass keine Ansteckungsgefahr besteht.

Hinzu kommt, dass mit dem Beruf verbundene Triggerfaktoren unter Umständen nicht zu vermeiden sind. Wer zeitnah den Hautarzt einschaltet, hat dank individueller Beratung und ggf. durch geeignete Rehabilitationsmaßnahmen dennoch häufig gute Chancen, den Beruf langfristig auszuüben.

Der Deutsche Psoriasis Bund stellt auf seiner Website Informationen rund um Psoriasis zur Verfügung. Gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Beirat erstellte Info-Blätter – wie das zu „Psoriasis und Beruf“ – können ganz einfach telefonisch unter der Rufnummer 040 223399-0 oder per Mail an info(at)psoriasis-bund.de angefordert werden. Die Zusendung der Info-Blätter ist sowohl postalisch als auch per Mail möglich.

 

Psoriasis als Kriterium bei der Berufswahl

Besteht bereits vor dem Eintritt ins Berufsleben eine Psoriasis, sollte diese sowie eventuelle, damit verbundene Einschränkungen unbedingt bei der Berufswahl berücksichtigt werden, denn es gibt Tätigkeiten, die mehr und andere, die weniger geeignet sind (Deutscher Psoriasis Bund e.V., Info-Blatt Nr. 47: Psoriasis und Beruf). „Tätigkeiten, bei denen die betroffenen Körperstellen mechanisch oder durch hautreizende Stoffe belastet werden, sind für Menschen mit Psoriasis eher ungeeignet. Solche Tätigkeiten können im Bereich der Kontaktstellen die Erkrankung provozieren oder verschlechtern, beispielsweise bei Befall der Hände oder Knie“, erläutert Dorothee Czennia. „Auch extreme Hitze oder Kälte, starkes Schwitzen oder häufiger Wasserkontakt sowie Kontakt mit Färbe- und Duftstoffen oder Reinigungsmitteln können die Krankheit negativ beeinflussen.“

Unterstützung durch Ihren Hautarzt

Gerade bei Jugendlichen kann ein negatives Erlebnis gleich beim Eintritt ins Berufsleben weitreichende Folgen haben – von einem verminderten Selbstwertgefühl bis hin zur sozialen Isolierung. Daher sollten geeignete Branchen und Ausbildungsbetriebe mit Bedacht ausgewählt werden. Hier lohnt sich ein Gespräch mit dem betreuenden Hautarzt. Darüber hinaus ist ein starker Rückhalt im sozialen Umfeld von großer Bedeutung.

Erscheinungsfreie Haut ist heutzutage möglich. Sprechen Sie mit Ihrem Hautarzt: Er kann Ihnen bei der Wahl einer geeigneten Therapie helfen und auch Tipps geben, welche Berufe bzw. Tätigkeiten die Erkrankung ggf. verschlechtern könnten. Hier finden Sie einen Hautarzt in Ihrer Nähe.

Hinweis: Das vollständige Interview mit Dorothee Czennia, Referentin für Behinderung beim Sozialverband VdK Deutschland e.V., lesen Sie hier.

Weitere Informationen

  • Aktiv im Job. Patientenratgeber rund um Beruf, Ausbildung und Sozialrecht
  • Patientenbroschüre Gut Leben mit Psoriasis