Psoriasis oder Neurodermitis?

Zwei Erkrankungen mit unterschiedlichen Gesichtern

Entzündungen, Hautrötungen, Juckreiz – klassische Symptome von zwei auf den ersten Blick ähnlichen, aber doch völlig unterschiedlichen Hauterkrankungen: Psoriasis (Schuppenflechte) und Neurodermitis (atopische Dermatitis / atopisches Ekzem). Eine eindeutige Diagnose kann oftmals nur ein Experte treffen: der Dermatologe (Hautarzt). Doch wie können auch Laien die beiden Erkrankungen voneinander unterscheiden?

Neurodermitis und Schuppenflechte: leicht zu verwechseln

In beiden Fällen liegt eine chronische (nicht heilbare) Hauterkrankung vor, die sich unter anderem durch (entzündliche) Rötungen und Juckreiz äußert. Je nach Schweregrad treten die Symptome mehr oder weniger stark auf und können in beiden Fällen mitunter den ganzen Körper betreffen.
Ebenso wie Psoriasis basiert auch Neurodermitis auf einer genetischen Veranlagung. Das Krankheitsbild kann durch bestimmte auslösende Faktoren (Trigger-Faktoren) beeinflusst werden: Hierzu zählen unter anderem Stress, Infekte oder eine Reizung der Haut.

Systemerkrankungen betreffen mehr als nur die Haut

Neben ihrem Erscheinungsbild auf der Haut kann Psoriasis auch die Fingernägel, Gelenke und sogar innere Organe betreffen. Aus diesem Grund wird sie zu den Systemerkrankungen gezählt: Sie ist nicht auf eine einzelne Körperregion begrenzt, sondern befällt ein gesamtes Organsystem. Auch Neurodermitis ist aufgrund des Zusammenspiels mit anderen Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen als Systemerkrankung zu sehen. Zudem spielen in beiden Fällen neben den körperlichen Symptomen soziale und psychologische Faktoren eine Rolle: Sichtbare Hautveränderungen haben in der Gesellschaft häufig Stigmatisierung und Ausgrenzung zur Folge, unter denen sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen leiden. In der Folge können psychische Probleme auftreten.

Die Unterschiede liegen im Detail

Ob es sich nun bei der vorliegenden Hauterkrankung um Psoriasis oder Neurodermitis handelt, wird der Dermatologe letztlich anhand spezifischer Krankheitssymptome feststellen, die häufig eindeutig der einen oder der anderen Erkrankung zuzuordnen sind. Zu den charakteristischen Unterschieden gehören:

  • Erkrankungsalter: Während erste Symptome der Psoriasis besonders häufig zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr und bei drei von vier Betroffenen vor dem 40. Lebensjahr auftreten, macht sich Neurodermitis hingegen nicht selten bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter bemerkbar.
  • Verteilungsmuster der Hautentzündung: Charakteristisch für Psoriasis ist das zentrale Symptom von fest eingegrenzten Plaques (Schuppenbildung), die oft mit einer ausgeprägten Entzündung einhergehen. Neurodermitis zeichnet sich durch die Bildung von diffuseren, schwer abgrenzbaren Hautarealen aus.
  • Rolle des Immunsystems: Bei Psoriasis handelt es sich um eine klassische Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet. Dadurch erneuert sich die Haut der Betroffenen etwa sieben Mal schneller als bei Hautgesunden und es kommt zu der charakteristischen Schuppung. Neurodermitis hingegen entsteht aus einer Kombination von genetischen, immunologischen und Umweltfaktoren. Die Betroffenen leiden an trockener Haut, die spannt und juckt. Kratzen bringt nur bedingt Linderung, denn es schädigt die ohnehin schon gestörte Hautbarriere zusätzlich, sodass Bakterien, Viren, Pilze und Allergene leichter eindringen können. Hinzu kommt ein überaktives Immunsystem, welches eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt wie Pollen, raue Textilien, Seife oder Lebensmittel als potentielle Gefahr einordnet. Die Haut reagiert mit Entzündungen und Infektionen sowie einem erneuten, teils unerträglichen Juckreiz. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis aus Jucken und Kratzen.
  • Begleiterkrankungen: Typische Begleiterkrankungen, die im Zusammenhang mit Psoriasis auftreten können, sind Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Psoriasis-Arthritis. Dabei können auch gleich mehrere Begleiterkrankungen auftreten. Menschen mit Neurodermitis entwickeln häufig weitere Krankheiten des sogenannten atopischen Formenkreises, dazu gehören allergisches Asthma, allergischer (Heu-) Schnupfen (mit Bindehautentzündung) und weitere Allergien wie z. B. Nahrungsmittel- oder Kontaktallergien. Die Erkrankungsformen können allein, nacheinander oder auch parallel auftreten.
  • Mischformen: In der Medizin gibt es aber auch nicht immer nur „Schwarz“ oder „Weiß“, manchmal sind die klinischen Symptome unklar. So gibt es eine ekzematisierte Schuppenflechte, besonders bei starkem Juckreiz, genauso wie eine psoriasiforme Ekzemerkrankung, wenn eine starke Schuppung durch Hautneubildung oder Hauttrockenheit imponiert. Es ist sogar bewiesen, dass ein Patient von einer Erkrankung in die andere „wechseln“ kann, obwohl die zugrundeliegenden Entzündungsmediatoren unterschiedlich sind. Nur beide Erkrankungen zeitgleich haben, das geht immunologisch nicht!

Bei Hautproblemen den Arzt aufsuchen

Hautrötungen und juckende Stellen können unterschiedliche Ursachen haben. Ein Arztbesuch ist bei derartigen Erscheinungen daher immer ratsam. Er kann Ihnen eine konkrete Einschätzung Ihrer Symptome geben, bei Unklarheiten ggf. weitere Untersuchungen einleiten (z. B. histologische Gewebeuntersuchungen) und bei Bedarf einen individuellen Therapieansatz mit Ihnen besprechen. Mit einer modernen Therapie, die es mittlerweile auch für Neurodermitis gibt, können vor allem Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Form der Erkrankungen heutzutage eine deutliche Verbesserung erfahren. Hier finden Sie einen spezialisierten Hautarzt in Ihrer Nähe. Lesen Sie hier weitere hilfreiche Tipps für die Vorbereitung auf den Arztbesuch.

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