Warum braucht es neue Versorgungswege?
Psoriasis und atopische Dermatitis sind chronisch entzündliche Hauterkrankungen, die den Alltag erheblich beeinflussen können. Neben sichtbaren Hautveränderungen und Beschwerden wie Juckreiz können auch soziale Aktivitäten, beruflicher Alltag und Lebensqualität beeinträchtigt sein.
Gleichzeitig ist eine spezialisierte und umfassende Versorgung nicht für alle Betroffenen gleichermaßen zugänglich. EsmeDerm setzt genau hier an: Untersucht wird, ob eine strukturierte, individuell abgestimmte und stärker koordinierte Betreuung die Versorgung verbessern kann.
Was ist EsmeDerm?
EsmeDerm steht für „Evaluation eines strukturierten und leitlinienbasierten multimodalen Versorgungskonzepts für Menschen mit entzündlichen Dermatosen“.
Das Konzept baut auf Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt EsmAiL auf, in dem ein ähnlicher Versorgungsansatz für Menschen mit Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) erprobt wurde. Nun soll untersucht werden, ob sich dieses Versorgungskonzept auch auf Psoriasis und atopische Dermatitis übertragen lässt.
Ein wichtiger Bestandteil sind die neu aufgebauten Zentren für inflammatorische Dermatosen (ZiD). Dort arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit speziell geschulten medizinischen Fachkräften zusammen.
Die Behandlung orientiert sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien und wird individuell auf die Patientinnen und Patienten abgestimmt.
Was ist das Besondere an der Versorgung?
Teilnehmende im neuen Versorgungskonzept erhalten unter anderem:
- eine individuelle Betreuung in einem spezialisierten Zentrum,
- einen ärztlichen Behandlungsplan auf Grundlage der verfügbaren Therapieoptionen,
- Beratung zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag,
- Informationen zu möglichen Auslösern und Risikofaktoren,
- digitale Unterstützung bei Diagnostik, Therapieplanung und Verlaufskontrolle.
Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte neue Behandlung zu testen. EsmeDerm testet keine neuen Medikamente oder Medizinprodukte. Untersucht wird vielmehr, ob die strukturierte Kombination bereits verfügbarer, leitliniengerechter Behandlung und zusätzlicher Betreuungsangebote die Versorgung verbessert.
Wie läuft die Studie ab?
EsmeDerm ist eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Das bedeutet: Die Teilnehmenden werden nach ihrer Aufnahme zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Dadurch können die beiden Versorgungsformen möglichst fair miteinander verglichen werden.
Insgesamt sollen bundesweit rund 700 Patientinnen und Patienten in die Studie aufgenommen werden.
Gruppe 1: Regelversorgung
Die Teilnehmenden erhalten zunächst sechs Monate lang ihre Behandlung im Rahmen der bisherigen Regelversorgung.
Gruppe 2: Versorgung im ZiD
Die Teilnehmenden werden in einem Zentrum für inflammatorische Dermatosen betreut und erhalten dort die zusätzlichen Betreuungs- und Beratungsangebote des EsmeDerm-Konzepts.
Nach sechs Monaten beginnt die Nachbeobachtungsphase. Dann erhalten auch die Teilnehmenden aus der ersten Gruppe einen ärztlichen Behandlungsplan im ZiD.
Die individuelle Studienteilnahme dauert insgesamt 12 Monate.
Was soll untersucht werden?
Die zentrale Frage lautet: Kann eine strukturierte, spezialisierte und digital unterstützte Versorgung die gesundheitliche Situation von Menschen mit Psoriasis oder atopischer Dermatitis verbessern?
Dabei werden unter anderem der Gesundheitszustand und die Lebensqualität der Teilnehmenden betrachtet. Zusätzlich werden die Abläufe der neuen Versorgung und ihre gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen wissenschaftlich ausgewertet.
Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob ein solches Versorgungskonzept langfristig einen Beitrag zu einer besseren Versorgung leisten kann.
Wer kann teilnehmen?
Nach den aktuellen Informationen richtet sich die Studie an Erwachsene mit:
- Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) oder
- atopischer Dermatitis (Neurodermitis),
die gesetzlich krankenversichert sind.
Weitere Voraussetzungen werden im Rahmen der Prüfung der Studieneignung geklärt. Die Registrierung erfolgt über die EsmeDerm-App.
Wer steht hinter EsmeDerm?
Das Projekt wird von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geleitet. Projektleiter ist Prof. Dr. Stephan Grabbe.
Zu den offiziellen Konsortialpartnern gehören:
- DAK-Gesundheit
- Techniker Krankenkasse
- Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. (DGfW)
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Darüber hinaus arbeitet EsmeDerm mit weiteren Partnern zusammen, darunter der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), der Deutsche Psoriasis Bund, das Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK), die BARMER, das Institut für Digitale Medizin der Philipps-Universität Marburg und die Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES). LENICURA entwickelt die Softwarelösung für die digital unterstützte Versorgung.
Warum sind Studien zur Versorgung wichtig?
Neue Versorgungsmodelle müssen wissenschaftlich untersucht werden, bevor beurteilt werden kann, ob sie tatsächlich einen Mehrwert bieten.
Genau das ist der Zweck des Innovationsfonds: Neue Wege in der Gesundheitsversorgung können unter realistischen Bedingungen erprobt und wissenschaftlich ausgewertet werden. Zeigt sich ein Versorgungskonzept als erfolgreich, können die Ergebnisse Grundlage für eine mögliche Weiterentwicklung der regulären Versorgung sein.
EsmeDerm soll deshalb nicht nur einzelnen Studienteilnehmenden zugutekommen. Die Ergebnisse können dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Menschen mit chronisch entzündlichen Hauterkrankungen künftig noch gezielter und koordinierter versorgt werden können.
Ein Versorgungskonzept mit Blick auf den Alltag
Eine chronische Hauterkrankung begleitet Betroffene häufig über viele Jahre. Deshalb geht es bei einer guten Versorgung nicht nur darum, Hautveränderungen zu behandeln.
Es geht auch darum, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten herauszufinden, welche Behandlung zu ihrer individuellen Situation passt, welche Unterstützung sie im Alltag benötigen und wie sie ihre Erkrankung möglichst gut selbst managen können.
EsmeDerm untersucht, ob eine solche strukturierte, individuell abgestimmte und digital unterstützte Versorgung einen Unterschied machen kann.
Weitere Informationen zur Studie, zu den Teilnahmevoraussetzungen und zu den Studienstandorten gibt es auf der Projektwebsite EsmeDerm.